Zuschaltbarer Allradantrieb: Hydrostatisch statt mechanisch
Eine ganz wesentliche Neuerung, die erheblich zur Erhöhung der Zugkraft beiträgt, ist der zuschaltbare hydrostatische Hinterradantrieb, der die bisherige mechanische Variante ersetzt. Ein großer Teil der Käufer ordern diese Option. Für Claas hat die Umstellung zunächst den Vorteil, dass die Design-Freiheiten größer sind: Da man keine mechanische Antriebswelle mehr vorsehen muss, konnte der Tank vergrößert und an günstigerer Stelle positioniert werden. Zudem kann der Anwender seinen Jaguar auch nachträglich noch auf Allrad umrüsten lassen: Dazu muss man nur die Hinterachse tauschen und die Hydraulik- und Elektroleitungen anschließen.
Die vorhandene Pumpenleistung reicht auch für die Versorgung der Hinterachse aus. Hier ist ein Verstellmotor vom Typ HMV 135-02 mit einem Schluckvolumen von 135 cm³/U installiert, der im Normalbetrieb mit ca. einem Drittel der Pumpenleistung versorgt wird. Dabei kommt man ohne Verteilergetriebe oder sonstige Komponenten aus. Die beiden Achsen sind nicht drehzahlgekoppelt: Das Drehmoment wird durch die Elektronik bedarfsgerecht verteilt. Die nötigen Informationen werden aus dem Systemdruck und der Fahrgeschwindigkeit generiert: Aus diesen Werten lässt sich die benötigte Zugkraft ableiten.
Sollte trotzdem eine Achse durchrutschen, so reduziert die Elektronik das Moment und verlagert es weiter zur Achse mit Traktion. So wird die Traktionsfähigkeit jeder Achse optimal genutzt. Eine Anti-Schlupf-Regelung ist damit überflüssig. Durch den zusätzlichen Hinterachsantrieb kommt der allrad-getriebene Jaguar auf eine maximale Zugkraft von 140 kN: Das ist ausreichend auch für extrem ungünstiges Gelände.
Zusatzfunktion: Hydraulisches Längsdifferential
Ebenfalls neu ist die Zusatzfunktion eines hydraulischen Längsdifferentials. Die Achsen sind nun nicht mehr drehzahlgekoppelt. Auch das war ein Wunsch der Anwender, denn bei der Drehzahlkopplung wird empfindlicher Untergrund beschädigt, wenn die Erntemaschine wendet. Eine Zwangsverspannung führt zu Zwangsschlupf und schädigt die Grasnarbe. Jetzt trägt die Hydraulik der Tatsache Rechnung, dass bei scharfer Kurvenfahrt die Wege von Vorder- und Hinterachse unterschiedlich lang sind, und der Untergrund wird geschont. Auch diese Funktion ließ sich mit geringem Aufwand und ohne zusätzliche Komponenten realisieren.
Konstante Höchstgeschwindigkeit unter wechselnden Bedingungen
Bei Straßenfahrt wird der Diesel kaum gefordert – die hohe Leistung wird nur im Feld gefordert. Deshalb ist im Antriebssystem eine Overdrive-Funktion integriert, die die Dieseldrehzahl auf 1550 min -1 reduziert. Wenn der Feldhäcksler dann z.B. eine leichte Steigung erreicht, wird die Motordrehzahl selbsttätig angehoben und die Geschwindigkeit somit konstant gehalten. Besonders energiesparend ist die Transportfahrt bei der Jaguar-Version mit der höchsten Motorisierung: Bei Straßenfahrt wird nur einer der beiden Dieselmotoren genutzt. Der Jaguar fährt sozusagen mit halber Kraft – die CED-Steuerung der Hydrostatik ist darauf eingestellt.
Steuerung: Höchstes Sicherheitsniveau
Wie bei der Vorgängermodellen auch, ist die von Linde Hydraulics entwickelte elektronische Steuerung mit dem Dieselmotor gekoppelt. In der neuesten Version sind leistungsfähigere Prozessoren installiert, die die Fahrsteuerung übernehmen. Ein zweiter, unabhängiger Prozessor ist für die Sicherheitsüberwachung verantwortlich. Außerdem wurde die Speicherkapazität der Steuerung erhöht. Dynamik, Sicherheit und Fahrkomfort lassen sich somit in hohem Maße durch Steuerungsfunktionen erreichen. Das heißt: Man muss nicht zusätzliche hydraulische Hardware installieren, die die Maschine komplexer und service-intensiver macht. Vielmehr investiert man einfach in Rechnerkapazität und realisiert wesentliche Ziele der LinDrive-Philosophie – dynamischeres Fahrverhalten, absolute Zuverlässigkeit und hohen Sicher-heitsstandard – durch die intelligente Verknüpfung und optimale Regelung der vorhandenen Komponenten.
Zu den Sicherheitsfunktionen, die dem Schutz des Fahrers aber auch zum Schutz des Diesels vor Überdrehzahl dienen, gehört auch, dass die Pumpe automatisch auf Null schwenkt, wenn die Steuersignale abgezogen werden. Das ermöglicht ein sicheres Anhalten. Der Motor an der Hinterachse wird in diesem Fall auf Null geschwenkt, der Motor der Vorderachse von 210 cm³/U auf 55 cm³/U zurückgeschwenkt. So ist ein sanftes Auslaufen der Maschine im Fehlerfall gewährleistet.
Bei der Transportfahrt wird der Allradantrieb selbstverständlich abgeschaltet. In diesem Fall wird der hintere Hydromotor mechanisch entkoppelt und verriegelt. Ein Endlagensensor überwacht die Verriegelung.
Zusätzlicher Komfort durch hydrostatischen Nebenantrieb
In der neuen Jaguar-Version wurde auch der Materialeinzug mit einem hydraulischen Antrieb ausgeführt.